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GOTT
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Beitragvon GOTT » Do 10. Mär 2016, 21:01

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SL:
Detroid – UCAS – 2070 - Nachts
Der Fortschrittsbalken, befand sich bei „95%“ und ruckelte auf die „96%“-Marke zu, als die Scheinwerferkegel eines Autos das Büro fluteten und den lochrasterförmigen Schatten des halb geschlossenen Rollladens an die gegenüberliegenden Seite warfen. Der Hacker zuckte kurz zusammen, zog mit einem wischen des Fingers durch die Luft, das Fenster des Ladebalkens beiseite und Beobachtete, das aus vier Kamerabilder bestehende Fenster, das dahinter erschien. Nichts Ungewöhnliches war zu sehen. Der löchrige Schatten wanderte quer durch das Zimmer und verschwand, als das Auto die Straße entlang fuhr um an der kommenden Kreuzung abzubiegen. „98%“ zeigte nun der Balken an, dann seufzte ein Türscharnier leise im Nebenraum. Der Hacker richtete sich auf und stand sofort stocksteif im Dunklen, seine Waffe im Anschlag auf die Tür zielend. Seine Schläfen pochten und kalter Schweiß sammelte sich auf Stirn und Nacken. Er verharrte so lange in dieser Pose bis sein Herzschlag sich wieder einpendelte. Dann löste sich seine linke Hand vorsichtig vom Griff der Pistole und wischte wieder den Ladebalken beiseite um die Bilder der Kameras zu sehen. Wieder nichts Ungewöhnliches zu sehen. Ein weiteres Wischen beförderte wieder den Ladebalken ins Sichtfeld und dann erst begriff er es. Der Ladebalken war bei „99%“ eingefroren. Hektisch drückte er sich durch die Schaltflächen und öffnete sein Analyseprogramm. Der Report wurde in Bruchteil einer Sekunde ausgespuckt. Vier Anwendungen befanden sich in einer Endlosschleife und waren somit Handlungsunfähig, darunter auch das Befehlsprogramm seiner Mikrokameras, die er vorher, im Gebäude, platziert hatte. Panik sprudelte, wie die Kohlensäure in einem frisch geöffneten Getränk, seine Nervenbahnen empor. Er nestelte mit der linken Hand an der Gürteltasche, in der sein Kommlink hing, und betätigte den Ausschaltknopf. Alle Fenster in seinem Sichtfeld erstarben. Danach griff er in die Innentasche seiner Bomberjacke und schaltete sein Ersatzkommlink ein. Jetzt knirschte eine Diele, ganz in der Nähe der Tür. Der Hacker lief rückwärts, die Waffe noch immer auf die Tür gerichtet, zum Fenster des Büros. Kurz spähte er auf die Straße hinab. Sie war leer und in das seichte orangene Licht der Straßenlaterne getaucht. Er richtete wieder den Blick auf die Tür und die linke Hand tastete den Fensterrahmen ab und suchte blind nach dem Fenstergriff und öffnete dann das Fenster. Eine kalte Brise wehte durch das Büro, die Gardinen tanzten im Wind und ebenso neue Schatten durch das Zimmer. Dann wanderte sein Blick wieder auf den Schreibtisch, er sah den Monitor und die Dockingstation, in dem das Kommlink der Zielperson eingesteckt war und welches er gerade entschlüsseln wollte. Wenn er schon diesen Job abbrechen sollte, wollte er nicht mit leeren Händen verschwinden. Langsam, Schritt für Schritt, bewegte er sich wieder zu dem Schreibtisch, der in der Nähe der Tür lag. Eine Hand, die linke wieder, streckte sich langsam zu dem Kommlink.
Die Fingerkuppe des Zeigefingers berührte schon, die Edelstahlverkleidung, des Fairlight Calibans, als die Tür zersplitterte.
Eine zwei Meter Gestalt stieß seitlich durch die Tür, als ob diese aus Papier gewesen wäre, eine Maschinenpistole lässig in der Hüfte haltend. Die Holzsplitter der zerbrochenen Tür flogen, lautstark, bis zum Fenster. Ruckartig drehte sich der Hacker zu der massigen Gestalt um und konnte nur noch in die weißen, toten, Linsen seines Gegenübers starren. Stroboskopisch leuchtete das Büro in einem grellgelben Schein mehrmals auf, als gedämpftes Knallen, den Hacker wie eine Marionette mit verknoteten Schnüren, tanzen ließ. Die Projektile durchdrangen seinen Körper und klatschten, lauter als die Schüsse an sich, in die Betonwand hinter ihm. Selbst als der Hacker am Boden lag wurde er mit weiteren Schüssen durchsiebt, bis die Maschinenpistole nach zweiunddreißig abgefeuerten Schüssen nur noch „klack“, „klack“, „klack“ machte. Abschließend klirrte das leergeschossene Magazin auf den Boden. Der dunkle Koloss, mit den zwei weißen Linsen, wo seine Augen hätten sein sollen, durschritt die Rauchschwaden des Schießpulvers, riss die komplette Dockingstation aus der Tischhalterung und verließ das Büro.

Vom Dach des gegenüber gelegenen Gebäudes aus, konnte man das Aufflackern des Mündungsfeuers, durch das Fenster sehen, und die Einschläge der Kugeln gedämpft hören.
Er verlässt das Büro, gleich ist er im Wohnzimmer“ ertönte eine Stimme durch ein Im-Ohr-Empfänger im Ohr des Beobachters.
Ich habe ihn angepeilt und trianguliert, ich synchronisiere seinen Standpunkt mit unserer Map“,
Check“, antwortete der Beobachter tonlos, durch sein Subvokalesmikrofon, das auf seinem Kehlkopf geklebt war. Ein kurzer mentaler Befehl, öffnete eine Karte mit dem Grundriss der Wohnung, die er gerade observierte. Ein roter Punkt erschien, auf der Karte, der sich langsam durch den Raum bewegte. Er synchronisierte die Koordinaten des Punktes mit seinem Reflexvisier und sah nun den roten Punkt an der Wand des Gebäudes, der Punkt bewegte sich langsam zum Fenster des Nebenzimmers. Der Beobachter drückte den Kolben seines leichten Maschinengewehres, welches auf einem Zweibein stand, enger an seine Brust, Das Fadenkreuz stets auf den roten Punkt gerichtet.
Der Punkt war nun kurz vor dem Fenster…

Seattle – UCAS – 2070 – Am nächsten Tag
Mit einem kurzem „schlurp“ fiel der letzte Tropfen des teuren Kaffees in die weiße Tasse. Der Snackpoint befand sich auf einem Plaza im mamorlook und war umrahmt von hüfthohen Hecken, die akkurat gestutzt waren. Der Plaza bot neun Kaffeetischen, im französichen Stil, die lustigerweise je mit einem Sonnenschirm versehen waren, platz und war gut besucht. Mitarbeiter standen an der Auslage um sich Sandwichs oder Gebäck zu holen, hielten Geschäftstelefonate oder genießten ihre Mittagpause im „Freien“. Lediglich der Kaffeevollautomat mit echten Kaffeebohnen, war kaum frequentiert, denn hier kostete eine Tasse echten Kaffees, 20 Creditpoints. Der hagere Konzernmann mit den graumelierten Haaren, nahm die Tasse mit dem dampfenden Kaffees und roch daran, ihm waren Creditpoints egal, er hatte die Autorisierung so viel echten Kaffee zu trinken wie er mochte. Er rückte sich seine blassblaue Satinkrawatte zurecht und verließ den Plaza. Eine Gruppe Anzugsträger auf Fahrrädern, radelte vorbei und grüßten ihn mit dem ringen ihrer Fahrradklingeln. Er nickte kurz ohne aufzusehen und schlenderte den geschwungenen Weg der Parkanlage entlang. Auf der Wiese spielten vier Angestellte Frisbee und eine katzengroße Gartendrohne surrte neben dem Blumenbeet entlang, goss erst die Geranien und schnitt dann mit einer kleinen Gartenschere gelbliche Blätter ab. Die Temperatur unter der großen Glaskuppel, die die gesamte Parkanlage umschloss, war stätig 20°C mit einem seichten erfrischenden Westwind, der unmerklich ab und an vorbei blies, das Innere der Glaskuppel zeigte einen strahlenden, beinahe wolkenlosen, Himmel mit hochstehender Sonne. Die Mitarbeiterabstimmung letzte Woche hatte ergeben, dass auch dieses Geschäftsjahr die Wettersteuerung das Programm „Sunny Spring“ simulierte, die Einstellung „Midsummer“ unterlag nur knapp. Er passierte gerade drei durchsichtige Plexiglascontainer, in denen je ein Tisch und zwei Sitzbänke, für vier Personen, eingebaut waren, altmodische Thinktanks, die aber alle mit fleißigen Mitarbeitern besetzt waren und erspähte dahinter die Sitzbank auf die er sich immer setzte, wenn die Zeiten es erforderten. Er ließ sich auf die Bank nieder und schlürfte an seinem Kaffee. Auf einem Segway kam ein weiterer Konzerner den Parkweg entlang gefahren, im gleichen Alter wie der Kaffeetrinker, nur ohne graues Haar, ein rundes Brillengestell saß auf seinem Nasenrücken, er lächelte dem Sitzenden zu. Der Brillenträger sprang vom Segway ab, welches weiterfuhr und rückwärts neben der Parkbank auf der saftig grünen Wiese parkte.
Hey altes Haus“, vital ging er auf den Mann zu und streckte ihm die Faust entgegen. Der Mann auf der Bank lächelte und schlug freundschaftlich mit seiner Faust gegen die Entgegengestreckte.
Dein Sohn, hat letzten Sonntag 23 Punkte geworfen, von dir hat er das nicht geerbt, oder?“ antwortete er daraufhin.
Ich habe ihn als Trost für ein Wochenende auf die Basketballacademy geschickt, nachdem er den Monatscontest im Körbewerfen nicht gewonnen hat, aber mach dir nichts draus, dafür schreibt dein Sohn die besseren Noten“. Er setzte sich neben seinen Kollegen.
Du hast ja keine Ahnung wie viel Nerven das meine Frau kostet“ sagte der Kaffeetrinker und beide lachten. Dann wurde der Brillenträger ernst,
ich habe hier einen Job für deine Abteilung“, er reichte ihm einen standarisierten Datenchip. Diskret nahm der anderen ihn entgegen,
Ich werde mich darum kümmern, wie immer“. Ein Lächeln breitete sich wieder auf dem Gesicht den Brillenträger aus,
Das ist wirklich schön zu hören. Du, seh ich dich und Selma bei dem Familyday des höheren Managment?“. Der Kaffetrinker winkte ab,
Nein, meine Zweitabteilung hat ihr Monatssoll zwei Tage vor Frist erreicht, ich gehe an dem Tag mit ihnen in die Squashhalle.
Bist ein guter Boss, mach’s gut und grüß Selma“. Wieder schlugen sie die Fäuste aneinander und der Brillenträger bestieg sein Segway, welches vorgefahren kam, und sauste davon.
Die nächste Klausur wird ein ‚A‘ und das nächste Spiel mehr als 25 Punkte, verlass dich drauf“ er lachte noch einmal und verschwand als der Parkweg hinter einem großen Strauch vorbei führte. Der andere Mann trank die Tasse leer und stellte sie neben sich auf die Bank, erhob sich und schlenderte zum Ende der Glaskuppel, in Richtung seines Büros.

GOTT
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon GOTT » Do 10. Mär 2016, 21:10

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SL:
Seattle - Puyallup / Loveland - morgens:
Windböen heulen auf und wehen einem untersetzten Mann mit Regencape beinahe die Kapuze vom Kopf. Der Zigarettenstummel im Mundwinkel, ist durchnässt und erloschen. Stinkender Regen prasselt auf die zerschlissenen, verblassten Markisen der vielen Pubs und Spielhallen, und staut sich dann vor den verstopften Abflüssen in den Rinnsteinen. Eine eklige Suppe aus zerrissener Plastikverpackungen, Kippenstummeln, ausgebrannte Chips, Papierfetzen und anderer Unrat. Ab und zu fährt ein summendes Auto die Straße entlang und spritzt das braungrünliche Regenwasser an die Hosenbeine des Mannes. Dieser schlendert den, vom sauren Regen angefressenen, Bürgersteig entlang, immer bedacht darauf möglichst unter den Markisen zu verweilen. Am Ende des Straßenblocks ist ein kleines zweistöckiges Pub, das Manitou, daneben ist ein Hauseingang mit einem Bodengittern, aus dem warme Luft aufsteigt. Mit gebrechlichen Bewegungen geht der Mann zum Hauseingang und setzt sich unter Schmerzen langsam auf die kalten Steinstufen. Weitere kalte Windböen, des neuen Tages ziehen die verwaiste Partymeile entlang. Der Mann streckt die Beine aus und fröstelt. Neben ihm entdeckt er eine alte zerschlissene Zeitung.
Von heute.




Seattle Times
==Politik==

*Republikanische Partei-Senatorin Nia Rosecrans kann auf ihre Problemliste einen weiteren Strich machen: Ihr Wahlkampfleiter Shaun Ridenhour wir vom Kabinett in Maryland in Rente geschickt – gegen dessen Willen. „Eine rechtlich unstrittige Lösung gemeinsam mit Herrn Ridenhour konnte nicht gefunden werden“, zitierte der Sprecher von Herbert Boman (RP) den Finanzminister. „Das Vertrauensverhältnis ist damit gestört.“ Daher sei keine andere Möglichkeit geblieben als die Versetzung Ridenhour in den einstweiligen Ruhestand. Boman habe Ministerpräsident Dylan Montville (Demokratische Partei) im Laufe des Tages gebeten, Ridenhour in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, sagte der Sprecher. Ridenhour ist ein enger Vertrauter Rosecrans und war fünf Jahre lang Finanzstaatssekretär in Maryland. Im Herbst vorigen Jahres hatte er sich für Rosecrans Wahlkampf beurlauben lassen.

* Die New Century Partei (NCP) erzielte in einer Umfrage ihren besten Wert seit eineinhalb Jahren. Die Partei erreicht 17 Prozent. Den schlechtesten Wert der Parteigeschichte fährt die Technokratische-Partei (TP) ein. Sie kommt auf nur noch zwei Prozent. Während die NCP als Gewinner aus dem Horizon-UCAS-Trend hervorgehen, müssen die Demokratische Partei (DP) und die regierende Republikanische Partei (RP) Stimmverluste und Stagnation hinnehmen. Die RP gibt demnach einen Punkt ab und kommt auf 40 Prozent. Die Libertäre Partei (LP) bleibt bei vier Prozent. Die DP büßt einen Punkt ein und landet bei 26 Prozent. Neben der NCP kann auch die Erzkonservative Partei (EP) Gewinne verbuchen. Sie gewinnt einen Punkt hinzu und kommt auf sieben Prozent.


==Wirtschaft==

* Der jüngste Broker von Exchange-SmallCap hat bei den Vertragsverhandlungen seinen Arbeitsgeber lange zappeln lassen. Dies hat sich für den 19-Jährigen ausgezahlt. Er hat nun einen Mega-Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren unterschrieben. Samet Aydin wechselt in diesem Quartal zu dem Devisenmarkt-Haus Ables&Stotcher der Bank of Seattle.Das erste Jahressalär beträgt 20 Millionen Nuyen und steigert sich von Jahr zu Jahr. Der Vertrag kam in letzter Sekunde zustande. Ansonsten hätte er bei Exchange-SmallCap übrigens nur 6,37 Millionen Nuyen jährlich verdient. Aydin ist mit seinen 19 Jahren einer der erfolgreichsten Broker des Devisenmarkts. Im Handel mit Währungen und Buchgeld, die in langen Zahlenkolonnen sich lediglich an der 6ten und 7ten Nachkommastelle verändern, kommt es auf jede Mikrosekunde an. Durch sein Gespür für die Richtigen Käufe und Verkäufe, seiner Reaktion und seiner sehr feinen Algorithmen machte Samet Aydin schon mit 16 Jahren auf sich aufmerksam und brachte ihm die Anstellung bei Exchange-SmallCap ein. Auf die Frage wie er seinen Erfolg feiern wolle, antwortete er, er gehe mit seinen Freunden Pizza essen.

* Nordamerikas Wirtschaftshüter geben sich optimistisch: Noch sei die Lage in der Wirtschaftsgemeinschaft zwar fragil. Es zeichne sich aber eine Erholung ab, sagte Zürich-Orbital-Gemeinschaftsbank-Sprecher Gerald Meraczi. "Das Vertrauen in die Finanzmärkte der Nordamerikanischen-Finanz-Zone kehrt zurück." Die Gefahr, dass Turbulenzen in einzelnen Staaten auf die gesamte Wirtschaftsunion übergriffen, sei deutlich gedämpft. Das sei ein weiteres positives Signal. Allerdings müssten die Regierungen ihren Reformkurs fortsetzen. Die Zürich-Orbital-Gemeinschaftsbank (Z-OG) traut der Wirtschaft im Raum eine schnellere Erholung zu als bisher erwartet. "Die Wirtschaftsleistung sollte sich im ersten Halbjahr stabilisieren", sagte Meraczi. Alle Stimmungsindikatoren seien ermutigend. In der zweiten Jahreshälfte 2070 erwartet die Orbitalbank eine schrittweise Konjunkturerholung.Dass die Z-OG ihre Konjunkturprognosen für die 8 (bzw. 13) Länder dennoch leicht senkte, erklärte Meraczi mit dem schwachen Schlussquartal 2069. Nach der jüngsten Prognose wird die Wirtschaft 2070 in einer Spanne von minus 0,9 Prozent bis minus 0,1 Prozent schrumpfen. Bislang hatte die Z-OG ein Minus von im Mittel 0,3 Prozent genannt.


==Seattle Metroplex==

*Puyallup - Sängerin und Aktivistin Orxanne spielt am Samstag in der Legendären Musikhalle Underworld 93 in Puyallup City. Orxanne zählt zu den lautesten Stimmen der Orxploitation-Bewegung die sich vor allem für die Rechte der Homo sapiens robustus (Orks) einsetzt und viele Texte in Or’zet verfasst. Lone-Star Polizeisprecher Conrad Dillion, kündigte an die Sicherheit entsprechend anzuheben. Bei ihrer Europatournee 2063 entkam Orxanne nur knapp einem Attentat und immer noch sorgen gewalttätige Gruppierungen des rechten Randes für Störungen und Auseinandersetzungen. Obwohl alle Tickets für das Konzert nach Bekanntgabe binnen weniger Stunden verkauft wurde, kündigte ihr Management an ein Kontingent von 100 Karten an der Abendkasse zu verkaufen, um so lokalen Fans eine Möglichkeit zu bieten, Orxanne live zu erleben.

*Downtown – Großeinsatz in der Innenstadt: Auf der Suche nach einem bewaffneten Räuber haben Spezialeinheiten von Lone Star am Freitagnachmittag ein Bürogebäude am Crash2064-Gedenkplatz durchkämmt. Eine Zeugin hatte ausgesagt, ein etwa 30 bis 35 Jahre alter Mann sei nach einem missglückten Überfall mit einer Pistole in der Hand in das Haus gestürmt. Nach mehreren Stunden zog Lone Star ab. Den Verdächtigen fanden die Beamten nicht. Die Fahndung nach ihm läuft. „Die Ermittlungen laufen, Einzelheiten geben wir momentan nicht bekannt“, sagte ein Lone Star-Sprecher am Samstagmorgen. Eine heiße Spur gebe es aber nicht. Gegen 12.30 PM sperrte die Polizei den Platz rund um das Denkmal weiträumig ab. Hubschrauber überflogen die Innenstadt, Dutzende von Streifenwagen und Rettungsfahrzeugen rasten zum Gedenkplatz. Viele Passanten liefen verängstigt weg. Nach ersten Erkenntnissen Lone Stars hatte ein Räuber zunächst versucht, zwei Männer zu überfallen, die in einer Filiale der Bank of Seattle am Crash2064-Gedenkplatz mehrere zehntausend Nuyen abgehoben hatten. Als sie in ihr Auto stiegen, sprang der Täter auf den Rücksitz und bedrohte die Männer mit einer Pistole. Einer der beiden flüchtete – offenbar hatte er das Geld dabei. Daraufhin sprang auch der Täter aus dem Wagen und lief weg.

*Downtown - Gekapertes Taxi in Dowtown gestoppt. GridCaps bemerkte, dass ein Taxi seit einer Woche keine Gebühren verbucht hatte. Dennoch war das Taxi seit einer Woche im Betrieb war. Als es auf ein Rückrufsignal nicht reagierte, wurde ein Rechnungsprüfer misstrauisch und verständigte Lone Star. Diese konnten das Taxi, welches immer noch eigenständig durch Downtown fuhr orten und keilten es mit Streifenwagen ein. Als das Taxi auf die Anweisung anzuhalten nicht reagierte mussten Sicherheitspsezialisten, dem Taxi über GridLink den Strom abstellen um es zu deaktivieren. Als unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen eine Einheit endlich die Fahrgastzelle öffnete, fanden sie einen Theo Henriquez vor, der sich dort versteckte. Es stellte sich heraus, dass der 10-jährige Theo von seinen Eltern geflohen war und eine Woche lang im Taxi gelebt hatte. Nach Berichten von Lone Star wurde das Firmennetzwerks von GridCabs sowie die Autosoft des Taxis illegal manipuliert und habe so vorgetäuscht in der Woche regelmäßig Passagierfahrten verbucht zu haben, jedoch ohne, dass es zur Transaktionen gekommen sei. Lone Star ermittelt nun diesen Fall.

*Crash2064-Opfer demonstrieren für Nachbesserung bei Entschädigung. Verbände von Opfer des Crash 2064 haben für den Samstag zu einer Demonstration für eine Nachbesserung beim geplanten Gesetz zur Entschädigung der Opfer aufgerufen. Der Protestmarsch wird von der Vereinigung der Opfer des Crashs (UVC), dem Bund der Renraku-Shutdown-Opfer (RSV) und dem A.I.P.S-Komitee veranstaltet, wie die Organisationen in einer gemeinsamen Presseerklärung am Montag mitteilten. Die Demonstration soll vom Crash2064-Gedenkplatz in Downtown zur ehemaligen Renraku-Arkology führen. Vor der Arcology Commercial and Housing Enclave ist eine einstündige Mahnwache geplant. Am 21. April findet im Senat die erste Lesung zum geplanten Gesetz zur Entschädigung der Crash-Opfer statt. Dieses Vorhaben werde von allen Opferverbänden als vollkommen unzureichend angesehen, heißt es in der Erklärung. Grundsätzlich begrüßten es die Vorsitzenden der Opfer-Organisationen, dass es 6 Jahre nach der Katastrophe eine Anerkennung ihrer Leiden, Opfer und Langzeitschäden gäbe. Diese Würdigung müsse jedoch auf einen angemessenen Betrag angehoben und dürfe auch nicht an eine soziale Bedürftigkeitsklausel gebunden werden.


==International==


*Vor der Südküste Floridas wurden in den vergangenen Tagen Zehntausende Haie gesichtet, wie das britische Nachrichtenportal "Horion-World-News" berichtet. Mehrere Strände wurden geschlossen, Schwimmer durften nicht ins Wasser. Die Haie ziehen in solch großen Scharen wieder nach Norden, nachdem sie den Winter im Süden verbracht haben, dass Experten eine ernsthafte Gefahr für Badegäste im Gebiet von Palm Beach sehen. “Horizon-World-News" zitiert den Biologen und Haiforscher Dr. Stephen Kajiura, der berichtet, dass sich im März Zehntausende Haie in Strandnähe tummelten. Während eines einzigen Fluges von Boca Raton Inlet nach Jupiter Inlet hätten sie mehr als 15.000 Haie gezählt, die weniger als 200 Meter von der Küste entfernt vorbeigezogen wären. Der Wissenschaftler sagte weiter, er hätte Schwimmer ganz in der Nähe von Haien gesehen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass diese zubeißen würden, da das Wasser in Palm Beach County normalerweise sehr klar sei und die Haie Menschen von Beutetieren durchaus unterscheiden könnten.

*Millionen-Entschädigung nach knapp 3 Jahren für "vergessenen Häftling". Ohne Gerichtsprozess verbringt Kai Lemrich 34 Monate in einem ADL-Gefängnis in Einzelhaft. Er zieht sich einen entzündeten Zahn selbst, hat Pilzinfektionen im Gesicht. Nun erhält er Schadenersatz. Am Ende hat er 15 Millionen Euro bekommen. Das ist eine Menge, aber die Frage ist, ob Geld für alles, was man einem Menschen antut, entschädigen kann. Kai Lemrichs Geschichte ist die eines Mannes in einem Land, das viel auf seine Verfassung hält. Auf eine Verfassung, die jedem Bürger einen fairen Gerichtsprozess zusichert. Lemrich hatte getrunken. Am 1. November 2064 war Lemrich mit dem Wagen eines Freundes unterwegs. Es passierte, was passieren musste: Die Polizei stoppte ihn. Die Beamten hielten den Wagen für gestohlen, Lemrich kam ins Gefängnis im Bundesland Hessen-Nassau. Lemrich sah gepflegt aus im November 2064, er hatte die Haare zu den Seiten gekämmt, sein Blick war wach. Im Gefängnis sollte er von da an eine lange Zeit verbringen. Ohne je einen Richter zu Gesicht zu bekommen. Dann erfolgte der Crash2064 am 2. November. Die ADL-Medien werden ihn später als "vergessenen Häftling" bezeichnen. Nach dem Crash funktionierte die Automatische Essenszuteilung für 3 Tage nicht. Nach Aktivierung dieser, sieht Kai Lemrich über 4 Monate keinen Menschen. Seine Akte ging im Crash verloren und als Wärter seine Zelle überprüften litt er offenbar unter Depressionen, er brauchte Medikamente. Im Gefängnis hielt man ihn für suizidgefährdet, schloss ihn erst in eine Gummizelle, dann wurde er in Einzelhaft verlegt. Er durfte nicht unter die Dusche, nicht in den Hof. "Täglich kamen die Wärter vorbei und sahen, wie es mir schlechter und schlechter ging", wird Lemrich später dem Sender KOB erzählen. "Tag für Tag für Tag. Aber sie taten nichts. Nichts, um mir zu helfen." Nach dem Familienangehörige in nach 2 Jahren für Tod erklären ließen, konnte der schreckliche Irrtum aufgeklärt werden.

*Mutmaßlicher Kriegsverbrecher gewinnt Kenias Wahl. Uhuru Mutamba hat laut vorläufigem Endergebnis Sabas Präsidentschaftswahl gewonnen. Sein Widersacher Limba Olatinga kündigte aber an, das Ergebnis vor Gericht anzufechten.In Saba zeichnet sich ein Streit über den Ausgang der Präsidentenwahl ab. Noch vor Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses durch die Wahlkommission kündigte das unterlegene Lager von Ministerpräsident Limba Olatinga an, die Auszählung vor Gericht anzufechten. "Er gibt sich nicht geschlagen", sagte Salim Lorhone, ein enger Berater von Olatinga, am Samstag. Sollte der stellvertretende Ministerpräsident Uhuru Mutamba zum Sieger erklärt werden, würde Odinga vor Gericht ziehen. Saba galt lange Zeit durch Bürgerkriege als äußerst instabil. Internationale Experten warnten vor einem aufflammen alter Konflikte.

Fabi
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Fabi » Sa 12. Mär 2016, 21:48

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Fett wurde erhitzt und spritzte aus der Pfanne.
„…und da kommt Mike in den Pub reingestürmt, geht geradewegs zur Theke, schnappt sich Claudio und reißt dem verdammten Spagettifresser vor der gesamten Kundschaft den Unterkiefer raus…“,
ein kehliges Lachen ertönt.
In der Küche lief 50er Jahre Goblin-Rock, die Band Darwin Bastards, ein Mann mit langen schwarzen Haaren, die Haarsträhnen hinter die Ohren gestrichen, schwarze Sonnenbrille auf und mit einer albernen Cartoon-Kochschürze bekleidet, stand an der Arbeitsplatte und schneidete Zwiebeln. An der Unterseite des Küchenschrankes war eine Kamera befestigt. Cole lächelte in die Kamera, es sah lustig aus, denn in seinem linken Mundwinkel versucht er dabei eine krumme selbstgedrehte Zigarette festzuklemmen.
"Der fette hässliche Mike, dass er als ein 3 Meter großer Fellknäuel geboren wurde, hat wohl schwere Wunden in seine zarte Seele gerissen“
Er versucht nochmal zu lächeln. Zigarettenasche segelt langsam auf die gehackten Zwiebeln. In seinem Blickbereich sah er im rechten oberen Fenster den Avatar von Kyles Persona. Einen maskierten Typen in olivgrünen Militärstrickpullover.
„Hast du mal die Haare gesehen die aus seinen fetten runzeligen Warzen auf seinem Rücken raussprießen, die sind so dick wie mein kleiner Finger, wenn du die abschneiden willst brauchst du ´nen verdammten Bolzenschneider. Wie ´ne verdammte Rute, kannst damit jemanden auspeitschen. Diese hässlichen Trolle ey“
Erneut ertönt dieses kehlige Lachen.
Cole warf die geschnittenen Zwiebeln in die Pfanne. Es zischte und dampfte.
„Achja hier bei mir im Turf…“
Cole schob das Fenster mit dem Live-Chat zur Seite um sich noch einmal eine bestimmte Stelle des Video-Tutorials anzuschauen. Jetzt kamen die Schmorgurken dran. Er ging an den Kühlschrank und holte diese heraus und schob dabei den Live-Chat wieder in die Mitte.
"…sauer war der ey. Die haben ´nen verdammten kleinen Nigger an den Corner der Halloweeners geschickt, der H für 8 Piepen das Pack verkaufen sollte, zwei Tage hat es nur gedauert, da haben die dem kleinen Schocko mitten ins Gesicht geschossen. Angel will die Thugs deswegen jetzt bestrafen…"
Als er an der Pfanne vorbei lief verteilte er die Zwiebeln mit einem Pfannenwender.
„…freie Hand hat er ja, die Thugs sind bei Emilio in Ungnade gefallen, nachdem sie die eine Aktion an den Docks versaut haben, weißt du noch wo der eine Bulle umgenietet wurde und die durch halb Seattle ´ne Verfolgungsjagd gemacht haben, gab danach ´nen Haufen Razzias, Emilio hat offen gelassen, ob er die Thugs fallen lässt. Naja wenn die…“
Der Redeschwall wurde unterbrochen als ein Videoanruf erschien, es war Katie. Cole hatte jetzt keine Lust sich mit weiblichen Terror herum zu Ärgern und drückte mental auf den „Ablehnen“-Knopf.
„…die haben nur einen Eingang zu ihrem Hauptquartier, liegt im Innenhof eines verlassenen Wohnkomplexes, die Halloweener müssen da frontal rein. Wird ´nen verdammtes Massaker geben“
Wieder dieses kehlige Lachen.
„Was du nicht sagst altes Haus“ antwortete Cole amüsiert, weil er gar nicht wusste wovon Kyle zum Teufel redete. Kyle redete gerne ohne Punkt und Komma. Er begann nun die Schmorgurken zu würfeln, so wie er es im Video gesehen hatte.
„Stacey hat es auch erwischt, Eugene hat’s mir erzählt, lag hinter ´nem verdammten Container, stocksteif, mit ´nem verdammten Chip in der Buchse.“
„Die Abschlussklasse 2059 der Roosevelt High School wird immer kleiner und kleiner…schade um die Kleine mit 15 hatte sie echt nette Titten gehabt“
„Wundert mich gar nicht, damals als wir noch FreeCals gechippt haben, war die schon auf den echt miesen Triaden-BTLs gewesen.“
Cole lief ein genüßlicher Schauer über den Rücken als er sich an die Kicks der FreeCals erinnerte, "chippen", eine Jugendsünde, er schaufelte die Schmorgurken in die Pfanne und schob mit dem Wender darin herum.
„Echt schade um die Titten“ wiederholte er lediglich und griff zu der geöffneten Whiskey Flasche die neben dem Schneidebrett stand und hob diese.
„Auf Stacey Miller“, und trank einen großen Schluck.
„Die hieß Spencer mit Nachnamen ist aber auch egal. Freddy konnte mir diese fiesen explosiv Geschosse Kaliber .308 Winchester besorgen ich freu mich jetzt schon auf unseren Ausflug dieses Jahr…“
Cole grinste erneut in die Kamera. Ein altes Ritual, welches er jährlich mit seinem alten Schulfreund zelebrierte. Einige Tage raus in die Wildnis, schön zelten mit einer Kiste Whiskey, Lagerfeuer, einige Kisten Munition und ein Haufen Knarren. Den ganzen Tag auf alles schießen was kreucht und fleucht und abends sich ordentlich die Kante geben.
„Würd gerne mal sehen was die Dinger mit so ´ner verdammten Kackente anstellen“
Kyle lachte wieder sein dreckiges Lachen.
„Enti enti quack quack! Boom!“
Sagte Cole in Babysprache steckte sich eine neue selbstgedrehte in den Mund und zündete sie mit dem glimmenden Ende seiner letzten Kippe an, ging zum Kühlschrank und nahm eine weiße Plastiktüte heraus. Ehrfürchtig packte er das Rindfleisch aus und betastete es. Er nahm das Messer und imitierte einen Samurai der einen Bambusstock halbieren will. Aus dem Spalt eines Küchenschrankes spähte eine Schabe heraus, verweilte kurz und lief dann langsam die Wand entlang.
„Weißt du Kyle ich würde gern mal so ´nen…“
Blitzschnell drehte er sich zur Seite, das Messer zischte durch die Luft und bohrte sich 10 Zentimeter tief in die Wand. Die Schabe wurde dabei sauber halbiert. Das Messer schwang hin und her.
„…dämlichen Bug mal abknallen! So einen richtig Großen mein ich“
„Ja und ich würde gerne man so ´nen verkackten wilden Drachen abknallen, mach ich aber nicht, weil so Viecher zurückschießen oder schlimmer noch, dich irgendwie verzaubern, dass du ständig aus dem Mund kacken musst oder so. Aber hey! Wir leben in der abgefuckten und total spannenden 6ten Welt, nimm dir ´nen Ticket nach Chigaco und tu was du nicht lassen kannst.“
„Wir leben den gottverdammten amerikanischen Traum mein Lieber“
Cole lachte, nahm einen Schluck aus der Flasche und aschte mit der Kippe auf den Boden.
„Santa war echt zufrieden mit dir Cole, der fand‘s richtig geil wie du diesen einen Ork den Arsch aufgerissen hast, der Job lief astrein ab! Santa meinte ich soll dir auch noch ausrichten, dass der Mann-in-der-Box dich buchen will, du sollst um 4:25 AM nach Loveland ins Pub Manitou kommen. Mehr weiß ich nicht, ist aber wasserdicht, das Ganze.“
Er rümpfte die Nase schob den Live-Chat zur Seite, notierte sich die Daten und stellte seinen Wecker, sah nochmal beim Video-Tutorial vorbei und schob dann den Live-Chat wieder zurück.
„…gesagt, dass er mich am Arsch lecken kann. Was denkt er wer ich bin...“
Cole zog ein neues Messer aus der Schublade und schnitt das Rindfleisch.
„Hey Kyle halt mal die Luft an. Was macht Gregg eigentlich mit meinen neuen Papieren. Wie lang brauchst der Splasher noch?“
„...Ich erreich diesen verdammten Juden schon seit 3 Tagen nicht mehr. Er sagte mir aber in voraus, dass er mindestens eine Woche dafür benötigt. Ich werde den Itzig später nochmal anrufen“
„Wenn er sich nicht beeilt bekommt er nicht die vereinbarte Summe, damit treffe ich ihn dort wo’s ihm am meisten weh tut.“
Cole fuchtelte mit dem Messer vor der Kamera rum
„Versuch nicht meine Familie zu ficken und unterlasse diese diskriminierenden Andeutungen, du verdammter Schmog!“, bellte Kyle gereizt.
Ein Monotrain donnerte vorbei und die Küche begann zu wackeln. Entfernt konnte Cole eine Polizeisirene hören. Er warf das Rindfleich in die Pfanne
„So Kyle mein Lieber, ich bin jetzt mit dem neusten Klatsch und Tratsch versorgt worden. Besorg mir noch ´ne Kiste .230er Nato Munition und lass mich jetzt mein 100-Nuyen-Essen futtern, du kleiner Splasher!“
„Okeydokey ist notiert. Was soll ich Santa sagen?“
„Das ich mir mal diesen Splasher angucken werde“
„Alles klar, Großer, Peace!“
„Yo Peace!“
Cole salutierte in die Kamera, Asche regnete vom Mundwinkel in die Pfanne hinab. Cole war´s egal er nahm noch einen Schluck von dem Whiskey.


Später saß Cole in seinem Keller, es lief Air von Johann Sebastian Bach, vor Cole lagen zwei zerlegte Ares Predators auf einem Filztuch ausgebreitet. Beinahe schon liebevoll nahm Cole jedes einzelne Teil putzte und ölte es und legte es feinsäuberlich wieder auf das Tuch. Er hatte selbstverständlich wieder seine Sonnenbrille auf. Auf der Stirn kurz über dem Nasenrücken war ein dünnes Kreuz aus lediglich zwei dünnen Strichen tätowiert. Cole blies Rauch nach oben und legte die Zigarette wieder in den Kristallaschenbecher. Dann baute er die Waffen zusammen und schob sie in seine Schulterholster. Er strich sich eine fettige Haarstähne aus dem Gesicht und lehnte sich weit in seinen Stuhl zurück und schloss die Augen. Er genoss das Musikstück. Dann stand er auf und nahm die Handschuhe vom Tisch. Schwarze Stoffhandschuhe mit abgeschnittenen Fingern. Er zog sie an. Cole hatte über die Finger ‚Die Hard‘ tätowiert, der Schriftzug wurde jetzt von den Handschuhen verdeckt, dann ging er an seinen Wandschrank im hinteren Teil des Raumes und öffnete ihn. Ein beachtliches Waffenarsenal wurde freigelegt. Er schnallte sich einen Kampfgürtel um und befestigte zwei Vibromesser an den Gürtel und schob sie an seine Hüfte vorbei, fast ans Gesäß. Cole grinste und griff erneut in den Schrank und hatte eine olivgrüne Handranate in der der Hand, er steckte seinen Finger durch den Ring und begann sie um den Finger kreisen zu lassen.
„Jetzt werd' mal nicht albern“ sagte er zu sich und warf die Granate salopp in den Schrank.
Eine Audiobotschaft wurde empfangen. Cole spielte sie ab
„Bin da, kommst du raus?“
Cole ging an die schwerbefestigte Kellertür und nahm seinen langen schwarzen Ledermantel vom Haken, schwang ihn sich um und verließ den Keller. Es war 2:00 AM.

Stoffel
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Stoffel » Do 17. Mär 2016, 21:33

-3-

Der Wecker klingelte mit einem durchdringenden Piepsen. Lerenthiel stöhnte, drehte sich stöhnend im Bett herum und stellte den Wecker mit einem mentalen Befehl aus. Ein weiterer mieser Tag, in dem er für Linkoln wieder rumrennen würde um Daten zu seinen Kontakten zu bringen. Die würden ihn wieder wie Dreck behandeln und er durfte sich noch nicht einmal dagegen wehren. Es wäre so einfach ein paar Kehlen zu öffnen oder in Körperteile zu schießen. Aber es ging nicht. Dieser Job war erniedrigend, peinlich, frustrierend. Aber notwendig. Das war das schlimmste an dem Job. Er und Lincoln wussten, dass er den dringend brauchte. Nachdem er Lone-Star verlassen musste blieb ihm keine andere Wahl.
Eine schlechte Wahl, eine Dummheit hatte so viel verändert. Sein Leben hatte sich ab dem Punkt radikal geändert. Von einem Lone-Star-SWAT Mitglied zu einem Laufburschen für Kriminelle. Die dunklen Wolken in seinem Geist wurden nachtschwarz und er setzte sich langsam auf die Bettkante. Dort verbarg er den Kopf in den Händen und dachte verfluchte die eine Nacht.

Damals, als Tilethiel einen Unfall baute und dabei fast draufging. Das war schon fast ein Jahr her und immer noch konnte der Til nicht laufen. Die Ärzte wussten auch nicht, ob er das jemals wieder machen könnte. Leise stand Lerenthiel in einer geschmeidigen Bewegung auf, um die andere Person im Bett nicht zu wecken. Er schlich sich mühelos aus dem Zimmer und zog sich seinen Bademantel an. Licht brauchte er nicht, da seine Cyber-Augen auch problemlos in dem dämmrigen Licht des Schlafzimmers sehen konnten. Lerenthiel öffnete sachte die Tür, die sich mit einem leichten *zisch* öffnete. Er ging die Strecke entlang, die er fast ein Jahr mehrmals täglich ging. 2 Zimmer weiter den kurzen Flur runter zu Tilethiels Zimmer. Er strich versonnen an der Tapete entlang und kannte mittlerweile jede Faser des rauen Materials an der Wand. Bald würde er umziehen müssen, damit Lerenthiel sich weiter die Pflege leisten könnte. Er ging in Tilethiels Zimmer, die Tür stand immer einen Spalt offen, falls mal ein Notfall sein sollte.

Hinter der Tür wartete das Bild, das er so gut kannte und sich dennoch nie daran gewöhnt hatte. Tilethiel lag auf seinem Bett, schlafend, wie immer. Er hing an einigen Geräten, die seine Atmung, Puls und viele weitere Dinge überwachten, seinen Urin abführten und ihn ernährten. Dieser Anblick schmerzte Lerenthiel, egal wie oft er ihn sah. Er setzte sich zu seinem Bruder ans Bett in den abgewetzten Sessel und schaute ihm beim Atmen zu. Er saß immer einige Zeit so da.

„So langsam solltest Du mal aufwachen, Til. Deine Freunde vermissen Dich. Und Tascha wollte auch mal wieder von Dir hören. Wir könnten dann auch mal wieder eine Gamer-Party machen. Das hat Dir doch immer gefallen.“
Er lehnte sich näher an seinen Bruder und setzte flehend, flüsternd hinzu: „Komm schon, Til. Ich brauche Dich.“
Aber Tilethiel reagierte natürlich nicht. Wie sollte auch ein komatöser Bruder antworten.
„Hier bist Du“, erklang es auf einmal von der Tür und erschrocken richtete sich Lerenthiel auf und schaute zur Tür. Da stand sie in der Tür in eins seiner Hemden gekleidet. Sein Lichtblick in dem dunklen Tal, das momentan sein Leben war. Sie hat rötlich/braune Haut, sehr schwarzes Haar und leuchtend grüne Augen. Ihr Haar war in einem Zopf geflochten und Barfuß kam sie zu ihm geschlendert. Ihre Muskeln am Bein zeichneten schöne Muster, während sie auf ihn zukam und Lerenthiel merkte, dass er unwillkürlich lächeln musste. Elegant stand sie vor ihm und umarmte ihn dann herzlich. Lerenthiel schmiegte seinen Kopf an ihren und atmete ihren Duft ein. So blieben sie eine ganze Weile, bis sie aus vollster Überzeugung flüsterte: „Ich stehe immer hinter Dir. Er wird wieder aufwachen.“
Lerenthiel konnte daraufhin nichts mehr sagen, er spürte, wie sich eine Schlinge um seinen Hals legte und sich zuzog. Eine Träne lief sein Wange hinunter und er drückte sie enger an sich. Sie erwiderte die Umarmung und eine Zeit lang standen sie so da. Plötzlich klingelte sein Kommlink. Langsam löste er sich auf der rettenden Zuflucht, um sich der Realität zu stellen. Lerenthiel tippte sich an das Ohr, was bedeutete, dass er einen Anruf bekam und seine Freundin nickte. Mit einem kurzen mentalen Befehl nahm er das Gespräch an.
Es war Ron, der alte Mann.

„Hallo Junge. Ich soll Dir sagen, dass es wieder einen Job gibt. Diesmal nicht von Lincoln. Ein Typ namens Mann-in-der-Box. Die Quellen bestätigen, dass der gerade Jungs rekrutiert. Komm zum Pub Manitou in Loveland um 4:25 AM. Du wirst um 0200 abgeholt, ich habe alles organisiert. Und wasch Dich mal. Du siehst aus wie eine Tunte.“
„Danke, ich wusste, dass Du neidisch auf mein volles, blattgrünes Haar bist. Hey, sind das ein paar neue Falten, oder hast Du vergessen Dich zu bügeln?“
„Hmpf. Das sagt der richtige. Viel Glück damit, Junge. Wenn Du den Job bekommst, kannst Du wahrscheinlich mal von Deinen Schulden runter kommen. Und denk dran. Nicht so viel koxen und Nutten kaufen, Kleiner.“
„Du mich auch, Arschloch“, meinte Lerenthiel und lächelte. Der alte Mann lächelte zurück und legte dann auf.
Er drehte sich um und sagte dann zu seiner Freundin: „Es gibt vielleicht einen neuen Job, Nida. Ich muss um 4:25 AM in Loveland sein. Das könnte der Anfang sein, Nida. Eine neue Job-Möglichkeit.“ Die Aufregung in seiner Stimme ließ sich nicht verbergen. Lerenthiel schöpfte neue Hoffnung und das könnte der Anfang von mehreren Runner Jobs sein, die er so dringend brauchte.
„Das wäre echt gut. Ein bisschen was Extra wäre nicht schlecht. Ich drücke Dir die Daumen.“ Sie drückte ihm noch einen Kuss auf und ging dann langsam aus dem Zimmer.
„Wenn Du aber erst um 4:25 AM in Loveland sein musst, hast Du doch bestimmt noch etwas Zeit….“, meinte Nida und sah über die Schulter zu ihm zurück und lächelte dabei etwas. Lerenthiel lächelte zurück und meinte: „Das auf jeden Fall“ und folgte ihr aus dem Zimmer raus.

Einige Zeit später war der Elf in seinem „Arbeitszimmer“. Es war eigentlich spärlich eingerichtet. Ein Sandsack, einige Gewichte, Matten und einen großen Schrank. Dieser hatte im Boden ein geheimes Fach, das sich leicht öffnen ließ, wenn man den Mechanismus kannte. Lerenthiel entfernte den Boden und holte einen Teil seiner Ausrüstung raus. Eine Walter Secura kam in sein Schulterholster und ein Vibromesser in seinen Stiefel. Dann holte er das Vibroschwert raus und maß es der lange nach. Fast andächtig holte er es aus der Scheide raus, ging in die Mitte des Arbeitszimmers und führte in fließenden Bewegungen ein paar Katas durch bevor das Schwert wieder in seiner Scheide verschwand. Lerenthiel schaute auf das Schwert in seiner Hand und legte es dann wieder zurück in das Geheimfach.
Sein Kommlink klingelte und eilig verließ er die Wohnung.

Blister
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Blister » Di 22. Mär 2016, 18:15

-4-
Stan geht geduckt und langsam an der Hauswand entlang. Er bemerkt eine Bewegung am gegenüberliegenden Fenster und springt durch die offene Tür. Während Stan springt fliegen Schüsse durch die Luft und Schlagen da ein wo er noch gestanden hat. Stan sucht sich das nächstgelegene Fenster und zielt auf das Fenster vom Feindlichen Schützen. Der kopf ist noch zu sehen und der Abzug wird betätigt. Splash macht es und während das virtuelle Blut an der Wand verteilt wird, kann man Red Team Wins lesen.
„Nice Shot, du hast uns grad auf der Rangliste einen Platz weitergebracht.“
„Danke Bobby war echt ein knappes Spiel.“
Im Teamspeak sind noch andere Stimmen und freudiges Gelächter zu hören.
Stan verabschiedet sich von den anderen Teammitgliedern und loggt sich aus der Matrix aus.

Kaum in der Realität und in Besitz seiner Körperlichen Kräfte steht Stan von seinen gemütlichen Stuhl auf. Er geht an den Kühlschrank und holt sich ein Bier raus.
Schluck, Schluck, Schluck, das Getränk wird in einem Zug abgepumpt. Stan sein Kommlink klingelt und er geht ran. Es ist Parker.
„Hey Parker altes Haus, alles fit bei dir?“
„Jo passt, hätte da einen Job für dich der vielversprechend aussieht. Einer der sich Mann-in-der-Box nennt sucht nach zuverlässigen Personen. Hab mir gedacht das du der richtige dafür wärst und außerdem könnte das die Chance sein auf die du gewartet hast.“
„Hört sich gut an, solange es nicht so ein scheiß wie beim letzten mal ist bin ich dabei.“
„Keine sorge sowas dreh ich dir nicht mehr an. Details schicke ich dir noch. Also dann halt die Ohren steif.“
„Du auch Parker.“
Dann legt Parker auch schon auf.
Stan nimmt sich noch ein Bier aus dem Kühlschrank und schon bekommt er eine Nachricht auf sein Kommlink mit dem Treffpunkt und der Uhrzeit.

Er geht ins Wohnzimmer und sieht wie seine Frau Caty und seine 4 jährige Tochter Lea sich einen Trickfilm ansehen.
„Hey Schatz muss heute Nacht raus, hab ein Angebot für einen Job bekommen.“
„Du weist das ich diese Art von Arbeit nicht mag.“
„Ich weis, es könnte aber die Chance sein auf die wir gewartet haben.“
„Verspreche mir nur eins, das du heil nach Hause kommst.“
„Das werde ich versprochen.“
Lea ist so in den Film vertieft und bekommt von dem Gespräch nichts mit.

Später in der Nacht steht Stan am Bett seiner Schlafenden Tochter und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Danach geht er zur Haustür zieht sich die Lederjacke an, steckt sich seine Ares Predator in den Holster und verlässt das Haus.

SimSternchen52
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon SimSternchen52 » So 27. Mär 2016, 19:27

-5-

Puyallup, ein verlassenes Industriegebäude
Mike spähte in die Gasse hinab. Ein wilder Hund durchwühlte einen Lumpenhaufen und zerrte an etwas ... das etwas gab nach und kam frei. Ein mentaler Befehl stellte seine Googles scharf. Das etwas war eine Hand. Mike robbte einen halben Meter zurück, erhob sich und schulterte sein Gewehr, ein weiterer mentaler Befehl stellte den Alarm ab, den der Hund ausgelöst hatte. Sensor-RFIDs waren günstig und meistens zuverlässig - aber ohne gute Software eben auch leicht anfällig für falschen Alarm. "Arme Sau"murmelte Mike.

Zurück in seinem Hauptquartier warf er einen Blick auf den schrumpfenden Haufen von Soy-Packs, die in einer Ecke sorgfältig zu 10er Stapeln geschichtet waren. Bald würde er sich um Nachschub kümmern müssen ... und da sein Credit Vermögen mittlerweile unangenehm niedrig war, würde er entweder arbeiten müssen oder sich um alternative Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung kümmern müssen. Die meisten Jobs die ihm in letzter Zeit angeboten worden waren, waren zu schlecht bezahlt gewesen um es zu rechtfertigen, sein sicheres Hauptquartier zu verlassen. Seitdem Lennox diesen Teil von Puyallup übernommen hatte, war die Sicherheitslage erfreulich stabil - dafür war die Auftragslage für einen Spezialisten mit seinen Fähigkeiten zunehmend schlechter geworden.

Nach einem zügigen Perimetercheck nahm sich Mike eine der selbsterhitzenden Nudelsuppen und aß sie gierig. Rationierung war eine bitch - aber der Krieg verlangte nunmal Opfer von jedem. Dem Essen folgte ein weiterer kurzer Sweep, danach war Zeit für eine Dosis Snuff damit ihn im Ernstfall die beruhigende Wirkung nicht zu sehr aus der Bahn warf. Auch hier ging sein Vorrat bedrohlich zur Neige - zum Glück war er in letzter Zeit in keine Gefechte geraten - die anderen Drogen für den Ernstfall waren deutlich teurer.

Er war immernoch high als sein Comlink eine eingehende Nachricht meldete. Das war ungewöhnlich. Außer den Mitgliedern seines Squads hatte nur Darkha seine Nummer ... und der letzte kleine Job war Wochen her. Mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht öffnete er den Text.

Captain, tut mir Leid dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen. Die Vorrys halten im Moment die Füsse still - weswegen ich keine Aufträge für dich haben werde. Ich hab mich aber umgehört - und ein anderer Schieber hat Interesse angemeldet. Der heißt Mann-in-der-Box. Ist vertauenswürdig so weit ich feststellen konnte. Makellose Rep. Treffen um 0425 in einem club in Loveland. Versuch sie nicht alle sofort zu erschiesen.
-Darkha


Mike überlegte einen Moment. Darkha hatte ihn noch nie enttäuscht - wenn sie meinte dass dieser Job seine Zeit wert wäre... ein letzter Blick auf seine schwindenden Rationen gab den Ausschlag. Noch so viel zu tun bis um zwei, so viele Vorkehrungen zu treffen ...

Entschlossen machte sich der Captain ans Werk.

Tuffffy
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Tuffffy » Di 29. Mär 2016, 02:39

-6-

Regen peitscht Dio ins Gesicht, als er auf seinem Chopper von seinem letzten Auftrag zurück nach Hause fährt. Ein nervlich Anstrengender Job, aber was tut man nicht alles um sein Essen zu bezahlen und die Langeweile zu vertreiben. Ausserdem, wenn La Familia einen Auftrag für dich hat, sagst du nicht nein.
Er hatte schon vorher so ein mulmiges Gefühl bei der Sache. Immer wenn Unheil im Anflug ist, beginnt seine rechte Schulter, an der jetzt sein mechanischer Arm befestigt ist, zu jucken.
Die Frischlinge auf die er aufpassen sollte, sind auch nicht mehr aus dem selben Holz geschnitzt wie früher. Der Gedanke lässt ihn etwas melancholisch werden, weil es ihn an die Einsätze mit seinem alten Partner Domenic erinnert.
Aber der wollte ja unbedingt in der Hierarchie aufsteigen. Domenic hatte schon immer ein besseres Gespühr für Politik als er.
Seltsam, der Auftrag ist zu Ende, aber seine Schulter juckt immer noch.

Zuhause vor seiner kleinen Werkstadt/Wohnung angekommen stellt er fest, das das Licht in seinem Wohnzimmer angeschaltet ist. Irgendjemand ist in seinem Haus. Er lässt sein Motorrad ein paar Häuser entfernt stehen, schaltet das Hologramm von seinem Leguan Smaug ab und schleicht mit seiner Remington 990 im Anschlag in sein Zuhause.
Wenn man vom Teufel spricht ist er meist nicht weit. In der offenen Küche steht Domenic und kocht Kaffee. Nicht den billigen Soja Kaffee, sondern echten Kaffee aus echten Bohnen. Dio muss sich unweigerlich an der Schulter kratzen, nicht das er es an der Prothese gespührt hätte.
"Na endlich bist du da, das ist schon die 3te Kanne die ich mache. Hast du unterwegs ein Nickerchen gemacht?" Grollt es aus der Kehle des Trolls.
"Verdammt Dom, schon mal was von Comlink gehört? Beim nächsten Mal kündige dich gefälligst an. Dann miete ich mir direkt ein Motel Zimmer."
"Das macht nichts, ich weiß noch die Kombination für deinen Safe in dem du deine VR Games und deine Sammlung an Vintage Pornomagazinen aufbewahrst. Der Name von deinem Haustier ist nicht gerade der Originellste Code. Die Zeit wäre schon irgendwie vergangen"
Ein breites Grinsen legt sich auf die Gesichter des ungleichen Duos.
"Das war übrigens gute Arbeit heute. Du hast tatsächlich alle von diesen Milchbärten lebendig wieder da raus geholt. Wir hatten schon Wetten abgeschlossen wie viele von denen wohl drauf gehen würden."
"Ich hoffe doch mal du hast gewonnen."
"Natürlich, ich habe vollstes vertrauen in dich."
"Ganz bestimmt. Aber jetzt mal zur Sache, du hast doch nicht riskiert deinen schicken Anzug in dieser Gegend schmutzig zu machen nur um mir zu dem Auftrag zu gratulieren und in Playboys zu blättern. Was kann ich also für dich tun?"
Domenic gießt zwei Tassen Kaffee ein und setzt sich dann auf die Wohnzimmercouch, die unter seinem Gewicht leicht ächzt. Dio nimmt sich die zweite Tasse und setzt sich neben ihn.
"Ich wurde von jemandem kontaktiert der sich der Mann-in-der-Box nennt. Das ist ein relativ bekannter Name. Und er hat spezifisch nach dir gefragt. Der Treffpunkt ist im Club Manitou in Loveland. Sei um 4:25 AM da. Das ist eine gute Gelegenheit um endlich mal was aus dir zu machen mein Kleiner. Ausserdem hat die Familie schon seit längerem Interesse daran einen Kontakt zum Mann-in-der-Box zu bekommen."
Schon wieder dieses jucken in der Schulter.
"Lass mich raten, ich soll dich auf dem laufenden halten, damit du die Lohrbeeren ernten kannst?"
"Na bitte, du hast ja doch etwas über Politik gelernt."
Zuletzt geändert von Tuffffy am Do 5. Mai 2016, 00:09, insgesamt 1-mal geändert.

Fabi
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Fabi » Di 29. Mär 2016, 15:46

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Cole trat mit seinen schweren Stiefeln aus der Haustür heraus direkt in zerknülltes Zeitungspapier und zerbeulte Getränkedosen. Er stand im Hauseingang des über 100 Jahre alten Apartments, es roch chemisch nach Chlor und faulig nach Schwefel zugleich. Wie gewohnt stand um die Uhrzeit Senior Martinez dort, ein stämmiger Mann mit haselnussbrauner Haut, pockennarbigen Gesicht und einem dünnen Schnauzbart, geziert mit einer Sonnenbrille. Um die Schulter hing eine alte Scorpion Maschinenpistole. Er stand mit seinem Kahkifarbenden Trenchcoat an der Wand gelehnt und trank Brause aus der Dose. „Buena tarde Senior“ sagte Cole und nickte. „Buena tarde“ antwortete Senior Martinez knapp und schaute dabei weiter die Straße entlang.
Cole streckte seinen Kopf leicht raus und schaute in den verregneten Himmel
„El tiempo es una mierda“

„Si, mierda“ antwortete der Ork gewohnt lakonisch. Cole holte einen Lollipop aus der Manteltasche, steckte in sich in den Mund und trat auf die Straße heraus. Vor dem Apartment stand ein ausgeschlachtetes Auto, das kupferbraun vom Rost und stellenweise leicht mit Moos bedeckt war, es stand schon ewig dort. Die Straßen waren schwach beleuchtet, aus den meisten Seitengassen konnte man das lodernde orangene Licht von brennenden Ölfässern sehen. Der Bürgersteig war ausgetreten und es fehlten vermehrt Platten. Wenige Leute befanden sich auf der Straße, viele Standen in Hauseingängen rum oder in den schmalen Seitengassen, die die Apartments bildeten, ein PKW surrte an Cole entlang. Cole schritt die Straße entlang, zu seinem Ärger gab es hier keine Markisen oder andere Überdachungen um sich vor den Regen zu schützen. An der Ecke entdeckte er das Lone Star Polizeiauto, die blaurote Lackierung war von dem ständigen stinkenden Regen matt und schmuddelig, der linke Kotflügel wurde wohl letztens provisorisch gewechselt, denn es hatte eine andere, gelbe, Lackierung. Über die Frontscheibe war ein stabiles Gitter geschweißt. Die linke Fensterscheibe war bis zu Hälfte herunter gelassen. Er ging am Auto vorbei, das mit laufenden Motor am Bürgersteig stand. Beide Polizisten hatten ihre Sitze weit nach hinten gestellt und saßen leger im Auto. Der Rechte trank Soykaff aus einem Pappbecher. Der linke hatte einen schweren Stiefel auf dem Armaturenbrett, der Lauf seiner Schrotflinte ragte bis zur Hälfte aus dem Fenster heraus. Er starrte Cole finster aus blauen Augen an. Cole lief mit seinem Lolli im Mund am Auto vorbei, durch seine Sonnenbrille konnte man nicht erkennen wohin er sah, doch beide wussten dass ihre Blicke sich trafen. Cole wusste nicht ob dieser Cop alle so anstarrte oder nur ihn, es war ihm auch egal, jedoch spielten sie dieses Spielchen schon seit Wochen
>>…irgendwann Cowboy, dann bekommst du deinen Showdown…vielleicht schon bald<<
dachte sich Cole mit einem kaum merklichen verschmitzten Blick. Dann war der Wagen passiert. Kurz danach bog er ab und erreichte eine gewaltige Bahnunterführung, durch die eine 6-spurige Straße führte, an der Seite führte eine breite Treppe zu einer Monotrainstation, die Schienen lagen auf der Höhe des 4ten Stocks, die Rolltreppen waren seit über einem Jahr schon außerbetrieb. Hier waren, egal um welche Uhrzeit, immer viele (Meta-)Menschen auf der Straße, aber vorwiegend Orks, die sich hier herumdrückten. Cole lief zu den Bushaltestellen, froh darüber, dass mehrere Tonnen Stahl und Beton den sauren Regen von seinem Kopf abschirmten. Die gesamte Bahnunterführung war in ein fahles giftiges Gelb getaucht, das aus vielen kleinen LED-Lampen herunterstrahlte. Der Weg war von stinkenden Müllsäcken gesäumt und nur in der Mitte war eine Schneise, eher ein Trampelpfad, frei zum Laufen, breit genug für zwei Personen, oder einen Troll. Er passierte eine aufgebrochene Tür die in eine ehemalige Wartungszentrale und dahinter in Wartungsschächte führte, Cole wusste, dass es hier Gestalten gab die die riesige Unterführung nie verließen. Hinter den Bushaltestellen gab es eine Haltebucht für diverse Taxiunternehmen, mehrheitlich natürliche für autonome Taxis. Hier war ein 24-Stunden-Kiosk, an dem die wenigen Taxifahrer standen und Soykaff tranken. Cole ging zu einem alten Taxi und zog am Türgriff. Die Tür öffnete sich nicht. Cole donnerte mit seiner behandschuhten Faust gegen die Scheibe. Der abgehalfterte Elf hinter dem Steuer erschreckte sich sichtlich und fummelte unkoordiniert an der Konsole des Taxis herum. Altmodisch hörte man die Entriegelung des Wagens.
„Ich dachte du würdest hier warten und nicht erst loslaufen wenn ich dich anrufe…“ sagte der Elf und kratze sich nervös am Nacken. Er war der hässlichste Elfe den Cole jemals gesehen hatte, mit langen spitzen Fledermausohren, lichtem Haar und Bierbauch. Das Gesicht hatte deutliche Spuren von zu viel Alkohol und nächtelangen Glücksspiel.
„Schnauze!“ sagte Cole kurz und bestimmt und setzte sich.
„…Wenn meine Frau mitbekommt, dass ich mich um die Uhrzeit hier rumtreibe…was für eine Ecke von Downtown ist das hier?…wir sind schon verdammt nah an Renton…“ dabei schaute er getrieben umher, bis er endlich sein Taxi aus der Bucht beförderte und sich den dünnen Verkehr eingliederte.
„Wo soll’s eigentlich hingehen…Cole?“.
Cole surfte in der Matrix, welche er durch die Bildverbindung seiner Sonnenbrille sah und sagte „Loveland“.
Schweigen herrschte im Auto. Cole wusste, dass der Taxifahrer ihn fassungslos anstarrte.
„Loveland!?...Ich fahr jetzt mit meinem Taxi nach Loveland!?...Mit diesem Taxi ernähr ich meine Familie!!...“ platze es nach kurzer Zeit aus dem Elf heraus.
Cole fuhr herum „Halt die Schnauze du kleiner Splasher! Du schuldest Kyle ´nen verdammten Haufen Kohle, du tust was wir dir sagen oder soll ich dir den Arsch aufreißen?“. Der Elf zuckte zusammen und nahm sofort einen devoten Tonfall an „…Aber Loveland…“ jammerte er. Cole stellte die Lehne zurück und legte seine Stiefel auf das Armaturenbrett. Mit den Armen hinter dem Kopf verschränkt, sagte er lächelnd „Schnauze du Splasher“. Auf der Innenseite seiner Brillengläser lief jetzt ein Trickfilm.

Fabi
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Fabi » Di 29. Mär 2016, 16:21

-8-

SL:
Loveland - morgens:
192nd Street E, Ecke 9th Avenue E, die Neonlichter der Reklametafeln spiegeln sich gemeinsam mit den Ölschlieren auf der nassen Straße, nachdem es bis in den Abend gestürmt und gewittert hat, ging das Wetter nachts in ein beständigen, dennoch sehr unangenehmen, Nieselregen über mit gelegentlichen starken, vom Meer her wehenden, kalten Briesen. Loveland pulsiert dennoch, vielleicht nicht mehr lange so kraftvoll wie gerade, aber für die nächsten Stunden werden die Straßen noch gefüllt und die Läden ebenfalls noch gut besucht sein. Bis sich am Abend wieder alles wiederholt. Der Kern von Loveland wird durch in Ringe angeordnete Straßenzüge gebildet. Ein 24-Stunden Jahrmarkt, ohne Sicherheitsgurt. Die außerhalb der Ringe grenzenden Straßen bilden den mittleren Rand von Loveland. Hier sind die Gassen etwas dunkler, die Läden etwas schäbiger, die (Meta)Menschen etwas abgefuckter. Zweite Wahl eben. Aber die Straßen danach, der äußere Rand, kann das übertreffen, - versprochen.
Die 9th Avenue E ist beidseitig mit Autos und Bikes bepflastert. Ein provisorischer Parkplatz, der außer einer kleinen Schranke mit Wellblechhäuschen, komplett mit improvisierten kniehohen Barrikaden umrahmt ist, liegt gegenüber vom Manitou, dort sind noch Stellplätze frei. Ein pockennarbiger Zwerg, leicht missgestaltet, macht für 20 Nuyen die Stunde die Schranke hoch. Neben dem Parkplatz steht ein Asia-Imbiss, ebenfalls aus Wellblech, aus dem es köstlich nach gebratenen Soynudeln duftet. Unter dem vorstehenden Dach versammeln sich Touristen und Abschaum, die sich ein wenig Grundlage, nach einem harten Abend, oder für einen bevorstehen harten Morgen, gönnen. Vor den Parkenden Autos schlendern, durchnässte Huren, gespielt motiviert entlang und quatschen jeden an, der zu nahe an ihnen vorbei läuft. Nur eine Gruppe betrunkener Norms, höchstwahrscheinlich Konzernsöhnchen, machen auf Platzhirsche und flirten mit zwei orkischen Latino-Bordsteinschwalben, der Rest der Besucher ignorieren diese und eilen zur nächsten Happy-Hour.
Sobald man seinen ersten Schritt in Loveland setzt, rattert der AR-Anfragen-Counter hoch in den dreistelligen Zahlenbereich. AR-Feeds werden ohne Genehmigung in den Sichtbereich projiziert. Stöhnen ertönt, ein Livestream zeigt Dirty Sandra 102 bei der Arbeit. Dann wirbt eine etwas dezentere Werbung für den Billy-Strip-Club. Im Sundawn und Crying-Ape werden die neusten abgefahrenen, meist asiatischen, Glückspiele angepriesen, alles zu Kennenlern-Konditionen, garantiert seriös. Hunderte von Pubs, die teilweise im selben Gebäude, nur durch Zimmer getrennt sind, werben mit Happy-Hours, Ambiente oder besonderer Musik, meistens jedoch mit billigen Getränken oder Sauf-so-viel-wie-du-kannst-Flats.
Das Mantiou ist ein zweistöckiges altes Backsteinhaus, mit Flachdach, ungefähr hundert Jahre alt, an dem das rechte Gebäude nachträglich angewachsen scheint. Die RFIDs in der Fassade preisen eine 24-Stunden-Versorgung an und zeigen die Öffnungszeiten, sowie tagesabhängige Specials, - mehr nicht. Rechts neben dem Manitou ist einer der wenigen Hauseingänge die zu Wohnungen führen, in diesem stapeln sich beinahe schon die Penner und Junkies, die eng aneinander gereiht dort Schlafen und ausdünsten. Unter der Markise des Mantious, sitzt ein breiter Glatzköpfiger Norm, mit einer ‚Destroyer MC‘ Lederkutte, neben einem Heizpilz, und schenkt den eintretenden Gästen keine Beachtung. Das Erdgeschoss des Manitous ist rauchverhangen und düster, die Wände sind mit dunklen Holzimitats-Balken auf rustikal getrimmt und Kneipenbänke formen Sitzecken. Am Ende des Raumes stehen Getränkespender, die Bier, Bourbon und Softdrinks intus haben, nebenan eine gut sortierte Auswahl an Spielautomaten. Der Boden klebt und es riecht nach schalem verschüttetem Bier gepaart mit kalt gewordenen Zigarettenrauch. Das untere Geschoss ist mit trostlosen Loosern und haifischgesichtigen Rattenfängern bevölkert. Eine knarrende Holztreppe führt in die eigentliche Bar. Oben ist der Gesamteindruck deutlich besser als unten, ein Airbutler sorgt für frische Luft und der Boden ist gewischt, es ist auch deutlich heller als unten. An den Holzwänden, hängen, aus echten Stoff bestehende, Fahnen aller NAN-Staaten, sowohl auch die alte USA-, Kanada- und Südstaatenflagge aus vergangenen Zeiten. Lederfelle, nicht echt, umrahmen das Regal hinter der Bar, wo ein Norm mit eckigem Kinn und Hakennase die Neuankömmlinge mustert. Sein schulterlanges pechschwarzes Haar ist in einem roten Haarband, in Rambomanier, zusammengebunden, seine tiefgelegenen Augen und seine Falten, lassen auf einen ungesunden Lebensstil schließen. Richtig amerindianisch sieht er dennoch nicht aus, vielleicht beruft er sich auf einen Ureinwohner in seinem Stammbaum oder ist einfach nur ein Möchtegern-Indianer. Das im ersten Stock gelegene Pub ist kaum noch besucht, zwei glatzköpfige Orks in Schneetarnhosen und grünen Bomberjacken bezahlen gerade und gehen. Ein besoffener Zwerg mit Totenkopfbandana hält sich schwankend an einem Billardtisch fest und versucht gegen einen Elf, mit Elvistolle und keinen Zähnen mehr im Mund, AR-Billard zu spielen. Auf einer Sitzbank weiter hinten sitzt ein langweiliges Pärchen und unterhält sich. Aus den Lautsprechern ertönen, rockige Evergreens, der letzten 10 – 30 Jahre.
Hatred der Barkeeper, das steht auf seiner Lederkutte mit Fransen, mustert die neu ankommenden Gäste und zapft wortlos ein old Pioneer Lager in einen 0,5L Bierkrug aus Glas.

Stoffel
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Re: [IP] Rochade

Beitragvon Stoffel » Mi 30. Mär 2016, 20:37

-9-

Lerenthiel ging aus seinem Apartment den kurzen Flur runter zu dem Aufzug. Das Gebäude in dem er lebt ist gehört zu den neueren Bauten in diesem Viertel von Seattle. Mit ruhigen Händen betätigte der Elf den Ruf Knopf und wartete bis sich die Türen des Aufzugs mit einem leisen zischen öffneten. Er stieg ein und mit einem sanften Ruck setzte der Aufzug sich in Bewegung nach unten. Die Fahrt dauerte nicht lange und schon bald ging er auf die Straße. Es war gerade erst 1 Uhr morgens. Die Straßen waren relativ sauber, auch wenn sich schon wieder Müll in Form von schwarzen Plastik-Säcken ansammelte. Der Geruch war noch erträglich, obwohl es nicht lange dauern dürfte, bis es wieder stank. Lerenthiel stand noch im überdachten Treppenabsatz, als er das Gesicht verzog und den stinkenden Regen bemerkte, der so typisch für Seattle war. Der saure Regen stank, aber da Lerenthiel schon einige Zeit in Seattle lebte hatte er sich an den Geruch gewöhnt. Es war erstaunlich woran man sich gewöhnen konnte, wenn man nur lange genug damit zu tun hatte. Ein bitteres Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Na Du altes Spitzohr, hast Du Dich wieder mal in Schwierigkeiten gebracht?“
Lerenthiel drehte sich zu dem Ursprung der Stimme um und sah dort seine Mitfahrgelegenheit.
„Nicht mehr als sonst auch, Kleine“, sagte Lerenthiel mit einem bitteren Unterton. Es dauerte manchmal, bis er wieder normal reden konnte, gerade wenn es um Til ging. Seine Gesprächspartnerin wusste das natürlich und überging den Tonfall. Sie war eine Ork mit braun-grüner Haut und der Statur einer Hammerwerferin. Ihre braunen Augen waren durchdringend und schienen bis auf den Seelengrund blicken zu können. Lerenthiel ging auf sie zu über den weitestgehend intakten Bürgersteig und umarmte sie kurz, wobei sie die Umarmung erwiderte. Beide wurden durch das trübe, gelbe Licht einer Straßenlaterne beleuchtet, die zwar in regelmäßigen Abständen an der Straße entlang stand, aber nur die Hälfte funktionierte. Der Regen fiel auf beide herab und wenn er auf den Ledermantel von Lerenthiel traf, gab es ein dumpfes, plätscherndes Geräusch. Als sie sich aus der Umarmung löste, lächelte sie ihn aufmunternd an, sie kannte seine Lage, und kehrte dann zu ihrer normalen Persönlichkeit, der taffen Polizistin zurück.

„Wo soll es hingehen, Spitzohr?“
„Loveland, in die Manitou Bar.“ Der Blick, den er erntete war alles andere als freundlich. Sie beide wussten, wie dort die Sicherheitslage war. Da beide aber lange zusammen gearbeitet hatten und die Ork wusste, dass er es sich nicht ausreden lassen würde, nickte sie nur und ging zu ihrem Privat-Wagen. Auf dem Weg dahin meinte sie noch: „Was sagt eigentlich Deine Freundin zu Deinem Exkurs nach Loveland? Willst Du 'nen Seitensprung, oder wie?“
Lerenthiels Antwort war einfach ein ausgestreckter Mittelfinger, was die Frau mit einem kurzen, rauen Lachen quittierte. Der Wagen war ein Mecury Comet mit nachtblauer Lackierung und schwarzen Streifen auf dem Wagen. Der Lack war gepflegt und die Innenausstattung war recht teuer, die Sitze bequem und die Soundanlage war hochmodern. Kein Wunder, dass sie den Wagen nicht oft zeigte.
„Ich setzte Dich in der Nähe ab und fahre dann gleich wieder. Die Gegend gefällt mir nicht.“
„Alles klar, Erika. Danke. Hast was gut bei mir.“
Als Erika den Wagen startete dröhnte laut Goblin-Rock aus den Lautsprechern und dann fuhr sie auch schnell und rasant los.

‚Loveland… Was für ein Drecksloch‘, dachte sich der Elf. Lerenthiel hasste diesen Stadtteil. Sie war schmutzig und das mehr als nur in einer Hinsicht. Kaum waren sie in dort angekommen, da hatte er dutzende Werbeanzeigen von unterschiedlichen Geschäften, Strip-Clubs und dem horizontalen Gewerbe. Es war nicht das erste Mal, dass er sich wünschte alles plattmachen zu können, aber das würde er so schnell nicht können. Es war mittlerweile 2:47 AM und es war nicht viel los, zumindest nach Loveland-Verhältnissen. Für die meisten anderen Städte wäre immer noch viel los, aber Loveland lockte mit seinen Sauf-Flats und Kasinos. Die Penner und Junkies türmten sich gerade im Außenbereich, aber zum Glück musste er da nicht hin. Das Manitou lag im inneren Teil. Je näher sie dem Laden kamen, desto angespannter wurde Erika und das Übertrug sich auf Lerenthiel. Er überprüfte im Wagen nochmal seine Waffen, ob sie geladen waren und checkte, ob sich seine Patches griffbereit befanden.
Der Wagen kam zum Stillstand in der Nähe eines Parkplatzes mit einem pockennarbigen Zwergen, der das Auto misstrauisch und neidisch betrachtete. Die Verabschiedung mit Erika war kurz und ohne Worte. Der Elf blickte sie einfach an, nickte ihr zu und stieg aus, nachdem sie das nicken erwidert hat. Kaum, dass sein zweiter Fuß den Boden berührte führ der Wagen schon wieder los. Lerenthiel konnte es gut nachvollziehen. Die Ork hatte in Loveland mal ihr Auto verloren und dieses sollte kein Opfer eines zu gedröhnten oder versoffenen Typens werden, der nur seinen nächsten Schuss oder sein nächstes Bier finanzieren wollte.

Lerenthiel atmete tief durch und roch sofort die Mischung aus süßen Parfüm, Urin, Bier und Fett von den etlichen Imbissbuden, die hier fast überall standen. Der Elf ging einmal um den Block, um sich einen Überblick über Fluchtwege aus dem Manitou zu verschaffen und ein bisschen die Gegend kennenzulernen. Er schaute nach Sniper-Nistplätzen und schaute sich den Strom der Metas an. Als er so herumging, roch er auf einmal etwas äußerst angenehmes. Soynudeln. Lerenthiel hatte eine schwäche dafür und sein Magen zeigte durch ein Knurren seine Zustimmung für den Plan, sich eine Portion zu kaufen. Es waren noch einige dort und prompt mischte sich der Elf unter die Menge. Obwohl er blattgrüne, halblange Haare hatte, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, fiel er nicht auf. Da war der Troll mit den leuchteten Nanotattoos schon auffallender als er und zog auch regelmäßig Blicke auf sich. Der Imbiss war eigentlich Ideal stellte Lerenthiel fest, da er den Eingang gut im Blick hatte und ein Meta unter vielen war. Gerade dieser Stand schien mehrere anzuziehen. Lerenthiel aß seine Nudeln und hatte sich ein Bier bestellt, um nicht aufzufallen. Er stellte sich nahe an eine Gruppe, sodass es wirkte, dass er dazugehörte, aber nicht so nah, dass sie ihn ansprachen. In dieser Haltung beobachtete er die Bar und schaute, wer alles rein ging, was sich als schwierig erwies.

‚Diese Scheiß Spam-Meldungen‘, regte sich Lerenthiel innerlich auf und versuchte trotzdem einen Blick auf den Eingang zu haben, bis es Zeit war sich mit dem Mann-in-der-Box zu treffen. Er hatte mal von seinem Ausbilder gelernt immer kurz vor dem Treffen erst aufzutauchen und diesen Rat wollte er beherzigen und um 4:20 AM ins Manitou gehen. Es würde sich zeigen, wie gut er aufgepasst hatte, wenn er sein vermeintliches Ticket zur finanziellen Freiheit traf.


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